Offener Brief Netzwerk Geschlechterforschung

#frauenlandretten

Offener Brief Netzwerk Geschlechterforschung

February 12, 2018 News 0

Stellungnahme des Verein Netzwerk Geschlechterforschung zur Ablehnung der Förderansuchen für die Frauen*beratungsstellen maiz, FIFTITU% und Arge SIE:

Innsbruck, 9.2.2018

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Stelzer,

sehr geehrte Frau Landesrätin Haberlander!

Wir, die Interfakultäre Forschungsplattform Geschlechterforschung der Universität Innsbruck und der Verein Netzwerk Geschlechterforschung in Innsbruck, sind bestürzt über Ihre Entscheidung, die Frauen*beratungsstellen maiz, FIFTITU% und Arge SIE aus dem Netzwerk des Frauenreferates des Landes OÖ zu streichen.

Wir sehen es als Aufgabe der Landespolitik, diese Frauen*einrichtungen mit den notwendigen Ressourcen auszustatten, damit sie ihre für unsere Gesellschaft so wertvolle Arbeit mit und für Frauen* leisten können. Die genannten Einrichtungen setzen sich seit vielen Jahren für von Armut, Ausgrenzung und Prekarisierung betroffene Frauen* ein.

Die migrations- und geschlechterkritische Perspektive der Verantwortlichen zeigt sich in ihrem Auftrag insbesondere Personen, welche von Ausgrenzung betroffen sind, zu beraten und zu unterstützen, seien es wohnungssuchende Frauen*, Künstler*innen, Sexarbeiter*innen oder Migrant*innen. Gerade die Unterstützung durch die Frauen*beratungsstellen maiz, FIFTITU% und Arge SIE ermöglicht es den Frauen* in Österreich den ihnen zustehenden gleichwertigen Status zu bekommen. Damit erfüllen diese Einrichtungen zentrale gesellschaftspolitische Aufgaben. In der Beratung werden Frauen* niederschwellig bei ihren Bedürfnissen abgeholt. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, auch vom Land Oberösterreich, haben die Einrichtungen für ihre wichtigen (sozialpolitischen und menschlichen) Leistungen zur Geschlechtergerechtigkeit erhalten. Der Wert dieser Einrichtungen als Kooperationspartner*innen für nationale und internationale Universitäten und Forschungseinrichtungen bezüglich der Ein- und Umsetzung von außereuropäischen, postkolonialen Bildungskonzepten ist enorm.

Dass nun genau denjenigen, welche sich für eine politische Ermächtigung und daraus resultierende Gleichstellung vieler Frauen* einsetzen, die finanziellen Mittel gestrichen werden sollen, führt die Begründung, dass die Tätigkeiten der Vereine nicht zum „Kerngeschäft“ des Frauenreferats gehören, ad absurdum. Es beginnt mit der Entlassung von Arbeitskräften in den Einrichtungen und führt dann zu einer Kettenreaktion, in der lebenswichtige Unterstützung für betroffene Frauen* und jahrzehntelange Erfahrung und Ansammlung von Know-How, gesammeltes Wissen einzigartig für die Analyse der Arbeits- und Lebensbedingungen von Migrant_innen in Österreich, verloren gehen.

Wir appellieren an Ihre gesellschaftliche Verantwortung und ersuchen Sie dringend, Ihre Entscheidung zu überdenken und die professionelle und unverzichtbare Arbeit der betroffenen Frauen*beratungsstellen anzuerkennen. Den Frauen*, die die Angebote dieser Einrichtungen in Anspruch nehmen, steht diese Wertschätzung zu. Wir bitten Sie gemeinsam mit den Verantwortlichen der betroffenen Einrichtungen eine Lösung zur Finanzierung und zur Absicherung ihrer Arbeit zu finden.

Mit freundlichen Grüßen,

im Namen des gesamten Beirats der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung der Universität Innsbruck

Univ.-Prof.in Dr.in Nikita Dhawan (Sprecherin der FP Geschlechterforschung)

www.uibk.ac.at/geschlechterforschung<http://www.uibk.ac.at/geschlechterforschung>

gender-research@uibk.ac.at<mailto:gender-research@uibk.ac.at>

im Namen des gesamten Vorstands des Vereins Netzwerk Geschlechterforschung, Innsbruck

Dr.in Itta Tenschert (Obfrau)

Mag.a Marion Jarosch (Schriftführerin)

https://netzwerkgeschlechterforschung.wordpress.com/

netzwerkgeschlechterforschung@gmail.com<mailto:netzwerkgeschlechterforschung@gmail.com>